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Wie lange hält Erholung aus dem Urlaub?

Urlaub verbessert Gesundheit und Wohlbefinden messbar, die Erholung hält aber nicht lange. In mehreren Studien lag das Wohlbefinden schon in der ersten Arbeitswoche wieder auf dem Stand vor dem Urlaub, in einer anderen war der Gewinn nach spätestens einem Monat verschwunden. Hohe Anforderungen bei der Arbeit beschleunigen das, Entspannung in der Freizeit nach dem Urlaub bremst es.

Urlaub tut Gesundheit und Wohlbefinden gut, doch die Erholung aus dem Urlaub lässt nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz schnell nach. Wie schnell, hängt von der Studie ab und auch davon, was dich nach dem Urlaub erwartet. Diese Seite fasst zusammen, was Studien zu Urlaub und Erholung zeigen, was die Wirkung verlängert und was das Bundesurlaubsgesetz vorsieht. Wie gut du dich im Alltag erholst, kannst du mit dem Erholungsfähigkeit-Test prüfen.

Was Urlaub bewirkt

Eine Metaanalyse von Jessica de Bloom und Kollegen hat 2009 sieben Studien zusammengefasst, die Beschäftigte vor und nach einem Urlaub befragt hatten. Urlaub verbesserte Gesundheit und Wohlbefinden, gemessen an Erschöpfung, Gesundheitsbeschwerden und Lebenszufriedenheit. Der Effekt war klein. Nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz verflog er bald wieder, ebenfalls mit einem kleinen Effekt [1].

Frau in den Dreißigern liegt im Sommer mit geschlossenen Augen in einer Hängematte zwischen zwei Bäumen
Bild: KI-generiert

In einer späteren Studie derselben Arbeitsgruppe fuhren 96 niederländische Beschäftigte in einen Winterurlaub mit Wintersport. Während des Urlaubs verbesserten sich fünf von sieben gemessenen Werten: der Gesundheitszustand, die Stimmung, die Anspannung, das Energieniveau und die Zufriedenheit [2]. Charlotte Fritz und Sabine Sonnentag befragten 221 Beschäftigte einer Universität eine Woche vor dem Urlaub sowie zwei Tage und zwei Wochen danach. Auch sie fanden bessere Werte bei Gesundheitsbeschwerden und Erschöpfung nach dem Urlaub, die teilweise wieder nachließen [5].

Wie schnell die Erholung verfliegt

Die Studien messen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und mit unterschiedlichen Gruppen. Das Bild ist trotzdem einheitlich: Die Erholung hält Tage bis wenige Wochen.

StudieWer wurde befragtWann war die Wirkung verflogen?Beleg
de Bloom und Kollegen, 201096 Beschäftigte, WinterurlaubIn der ersten Arbeitswoche lagen Gesundheit und Wohlbefinden im Allgemeinen wieder auf dem Stand vor dem Urlaub.[2]
de Bloom, Geurts und Kompier, 201354 Beschäftigte, Sommerurlaub von im Schnitt 23 TagenHöhepunkt am achten Urlaubstag, in der ersten Arbeitswoche zurück auf dem Ausgangsstand.[3]
Kühnel und Sonnentag, 2011131 LehrkräfteMehr Engagement und weniger Burnout nach dem Urlaub, innerhalb eines Monats verschwunden.[4]
Fritz und Sonnentag, 2006221 Beschäftigte einer UniversitätBessere Werte nach dem Urlaub, die bis zwei Wochen danach teilweise wieder nachließen.[5]

Jessica de Bloom fasst die Lage in einem Überblicksartikel so zusammen: In der Metaanalyse waren die kleinen Verbesserungen zwei bis vier Wochen nach der Rückkehr verschwunden. In den Studien ihrer Arbeitsgruppe in Nijmegen fiel das Wohlbefinden schon in der ersten Arbeitswoche auf den Stand vor dem Urlaub zurück, unabhängig von Art und Dauer des Urlaubs [6].

Ein Grund dafür liegt bei der Arbeit selbst. In der Studie mit Lehrkräften verflog die Wirkung umso schneller, je höher die Anforderungen nach der Rückkehr waren [4]. Hohe Arbeitsanforderungen erschweren auch im Alltag das Abschalten: In einer Metaanalyse über 86 Veröffentlichungen mit mehr als 38.000 Beschäftigten gingen sie mit schlechterem Abschalten nach Feierabend einher, und wer schlecht abschaltete, berichtete mehr Erschöpfung [14].

Ein langer Urlaub oder mehrere kurze?

In der Studie mit langen Sommerurlauben stieg das Wohlbefinden schnell an und erreichte am achten Urlaubstag seinen Höhepunkt. Die Länge des Urlaubs hing nur schwach mit den Veränderungen zusammen [3]. Weil die Wirkung unabhängig von der Dauer schnell nachlässt, rät de Bloom davon ab, den ganzen Jahresurlaub in eine einzige lange Reise zu packen. Sie empfiehlt stattdessen regelmäßig verlängerte Wochenenden und kurze Reisen über das Jahr verteilt [6]. Das ist ihre Schlussfolgerung aus den Studien. Einen direkten Vergleich, der zeigt, dass mehrere kurze Urlaube gesünder sind als ein langer, gibt es in den hier genannten Arbeiten nicht.

Paar in den Vierzigern frühstückt morgens auf einer Caféterrasse in einer südeuropäischen Altstadt
Bild: KI-generiert

Rechtlich gibt es dafür eine Grenze. Nach dem Bundesurlaubsgesetz wird der Urlaub grundsätzlich zusammenhängend gewährt. Geteilt wird er nur, wenn dringende betriebliche oder in deiner Person liegende Gründe das erfordern. Hast du mehr als zwölf Werktage Anspruch, muss dann ein Teil mindestens zwölf aufeinanderfolgende Werktage umfassen [10].

Was im Urlaub die Erholung stärkt

Wichtiger als die Dauer ist, wie du den Urlaub erlebst. In der Studie mit Sommerurlauben hingen passive Tätigkeiten, bewusstes Genießen, Freude an dem, was man tut, Entspannung und das Gefühl, selbst bestimmen zu können, stark mit einem besseren Befinden während des Urlaubs zusammen, schwächer auch danach. Dasselbe galt für den Schlaf [3]. Fritz und Sonnentag erfassten im Urlaub unter anderem Entspannung, neue Herausforderungen, Gedanken an die Arbeit und private Belastungen. Diese Erfahrungen und die Arbeitsbelastung nach der Rückkehr sagten einen Teil der Ergebnisse nach dem Urlaub voraus [5].

Und wenn du im Urlaub doch kurz arbeitest? In den Nijmegen-Studien arbeitete etwa ein Drittel der Urlauber irgendwann während des Urlaubs, die meisten weniger als 30 Minuten am Tag. Ein starker und einheitlicher Zusammenhang mit Gesundheit und Wohlbefinden fand sich nicht. De Bloom hält es für entscheidend, ob jemand selbst bestimmen kann, ob, wann und woran er arbeitet [6]. Im Arbeitsrecht gibt es eine eigene Regel: Während des Urlaubs darfst du keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, die dem Urlaubszweck widerspricht [11].

Wer Fernreisen über mehrere Zeitzonen plant, kommt mit einem Jetlag zurück. Wie viele Tage der Körper dafür ungefähr braucht, rechnet der Jetlag-Risiko-Rechner auf schlaf.check-dich-selbst.de aus.

Nach dem Urlaub: die Erholung länger halten

Was nach der Rückkehr passiert, bestimmt mit, wie lange der Urlaub nachwirkt. In der Studie mit Lehrkräften ließen hohe Anforderungen bei der Arbeit nach dem Urlaub die Wirkung schneller verfliegen. Wer sich nach dem Urlaub in der Freizeit entspannen konnte, behielt sie länger. Die Autorinnen folgern, dass weniger Arbeitsdruck und erholsame Freizeit die Wirkung verlängern können [4].

De Bloom rät zu einem sanften Wiedereinstieg: lieber an einem Mittwoch als an einem Montag anfangen oder die Arbeitszeit in der ersten Woche langsam steigern, und nach der Rückkehr Überstunden vermeiden [6]. Ob das in deinem Job geht, hängt von der Absprache mit Arbeitgeber und Team ab. Die Erholung nach Feierabend und am Wochenende trägt dazu bei, dass der Urlaub länger nachwirkt. Tipps dazu stehen im Ratgeber Richtig erholen am Wochenende.

Urlaub und Gesundheit auf lange Sicht

Eine oft zitierte Auswertung stammt aus der amerikanischen MRFIT-Studie. Darin wurden über 12.000 Männer mittleren Alters mit hohem Risiko für eine koronare Herzkrankheit fünf Jahre lang jedes Jahr gefragt, ob sie im Vorjahr Urlaub gemacht hatten. In den folgenden neun Jahren hatten Männer mit häufigeren Urlauben ein um 17 Prozent geringeres Sterberisiko insgesamt und ein um 32 Prozent geringeres Risiko, an einer koronaren Herzkrankheit zu sterben. Die Zusammenhänge blieben bestehen, als die Forscher unter anderem das Einkommen berücksichtigten [7]. Die Studie beobachtet nur, sie beweist keine Ursache, und sie gilt für Männer mit hohem Herzrisiko in den USA.

Was das Urlaubsrecht vorsieht

Nach dem Bundesurlaubsgesetz stehen Beschäftigten mindestens 24 Werktage Urlaub im Jahr zu. Als Werktage zählen alle Kalendertage außer Sonn- und gesetzlichen Feiertagen, also auch der Samstag [8]. Bei einer Fünf-Tage-Woche ergibt das 20 Urlaubstage, also vier Wochen [9]. Viele Arbeits- und Tarifverträge sehen mehr vor [9]. Den vollen Anspruch erwirbst du erstmals, wenn dein Arbeitsverhältnis sechs Monate besteht [9]. Bei der Festlegung des Urlaubs muss der Arbeitgeber deine Wünsche berücksichtigen, außer dringende betriebliche Gründe oder vorrangige Wünsche von Kolleginnen und Kollegen stehen dagegen. Urlaub im Anschluss an eine medizinische Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahme ist auf Verlangen zu gewähren [10]. Der Urlaub muss im laufenden Kalenderjahr gewährt und genommen werden. Ins nächste Jahr übertragen werden darf er nur aus dringenden betrieblichen oder persönlichen Gründen, und dann muss er in den ersten drei Monaten des Folgejahres gewährt werden [10].

Wirst du im Urlaub krank, werden die Tage, an denen du laut ärztlichem Zeugnis arbeitsunfähig warst, nicht auf den Jahresurlaub angerechnet [12]. Lass dir die Krankheit also auch auf Reisen ärztlich bescheinigen. Bei Fragen zu deinem Anspruch helfen Betriebs- oder Personalrat, Gewerkschaft oder eine Beratungsstelle. Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung.

Wenn auch der Urlaub nicht mehr hilft

Dass die Urlaubserholung nach einigen Tagen nachlässt, ist nach den Studien normal. Anders ist es, wenn du dich schon vor dem Urlaub dauerhaft erschöpft fühlst und auch freie Wochen daran kaum etwas ändern. Die DEGAM, die Fachgesellschaft der Hausärztinnen und Hausärzte, rät, Müdigkeit und Erschöpfung in der Hausarztpraxis anzusprechen, wenn sie dich übermäßig belasten oder du keine Ursache dafür findest [13]. Eine erste Einschätzung gibt dir das Erschöpfungs-Screening. Hängt die Erschöpfung vor allem mit dem Job zusammen, passt der Burnout-Test.

  1. Studie Do we recover from vacation? Meta-analysis of vacation effects on health and well-being. Journal of Occupational Health 51, S. 13 bis 25. de Bloom J., Kompier M., Geurts S., de Weerth C., Taris T., Sonnentag S.. Stand 2009. abgerufen am 28.10.2026
  2. Studie Effects of vacation from work on health and well-being: Lots of fun, quickly gone. Work & Stress 24, S. 196 bis 216. de Bloom J., Geurts S. A. E., Taris T. W., Sonnentag S., de Weerth C., Kompier M. A. J.. Stand 2010. abgerufen am 28.10.2026
  3. Studie Vacation (after-) effects on employee health and well-being, and the role of vacation activities, experiences and sleep. Journal of Happiness Studies 14, S. 613 bis 633. de Bloom J., Geurts S. A. E., Kompier M. A. J.. Stand 2013. abgerufen am 28.10.2026
  4. Studie How long do you benefit from vacation? A closer look at the fade-out of vacation effects. Journal of Organizational Behavior 32, S. 125 bis 143. Kühnel J., Sonnentag S.. Stand 2011. abgerufen am 28.10.2026
  5. Studie Recovery, well-being, and performance-related outcomes: the role of workload and vacation experiences. Journal of Applied Psychology 91, S. 936 bis 945. Fritz C., Sonnentag S.. Stand 2006. abgerufen am 28.10.2026
  6. Studie Making holidays work. The Psychologist. de Bloom J., British Psychological Society. Stand 13.07.2015. abgerufen am 28.10.2026
  7. Studie Are vacations good for your health? The 9-year mortality experience after the multiple risk factor intervention trial. Psychosomatic Medicine 62, S. 608 bis 612. Gump B. B., Matthews K. A.. Stand 2000. abgerufen am 28.10.2026
  8. Gesetz Bundesurlaubsgesetz (BUrlG), § 3 Dauer des Urlaubs. Bundesministerium der Justiz. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
  9. Behörde Der gesetzliche Urlaubsanspruch, Sachstand WD 6 - 3000 - 039/23. Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages. Stand 25.04.2023. abgerufen am 28.10.2026
  10. Gesetz Bundesurlaubsgesetz (BUrlG), § 7 Zeitpunkt, Übertragbarkeit und Abgeltung des Urlaubs. Bundesministerium der Justiz. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
  11. Gesetz Bundesurlaubsgesetz (BUrlG), § 8 Erwerbstätigkeit während des Urlaubs. Bundesministerium der Justiz. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
  12. Gesetz Bundesurlaubsgesetz (BUrlG), § 9 Erkrankung während des Urlaubs. Bundesministerium der Justiz. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
  13. Fachgesellschaft DEGAM-Patienteninformation Müdigkeit. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Stand 2022. abgerufen am 28.10.2026
  14. Studie A meta-analysis on antecedents and outcomes of detachment from work. Frontiers in Psychology 7:2072. Wendsche J., Lohmann-Haislah A.. Stand 2016. abgerufen am 28.10.2026

Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.

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