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Boreout: Wenn Unterforderung krank macht

Boreout beschreibt anhaltende Langeweile und Unterforderung bei der Arbeit, entweder weil zu wenig zu tun ist oder weil die Aufgaben deine Fähigkeiten nicht nutzen. Mögliche Folgen sind Erschöpfung, Müdigkeit, Schlafstörungen, Gereiztheit und Lustlosigkeit. Boreout ist keine anerkannte Krankheit, anhaltende Beschwerden solltest du trotzdem ärztlich abklären lassen.

Boreout ist der Name für Langeweile und Unterforderung im Job, die über lange Zeit anhält. Der Begriff klingt nach dem Gegenteil von Burnout, und so beschreibt ihn auch die Fachzeitschrift PTAheute: Beim Burnout leiden Menschen an anhaltender Überlastung, beim Boreout an anhaltender Unterforderung, meist am Arbeitsplatz. Die Beschwerden können sich trotzdem ähneln [1]. Auf dieser Seite erfährst du, woran du Boreout erkennst, welche Ursachen genannt werden, was die Forschung dazu weiß und was du tun kannst.

Was Boreout bedeutet

Den Begriff haben die Schweizer Berater Philipp Rothlin und Peter Werder geprägt. Sie beschreiben drei Bestandteile: Langeweile, fehlende Herausforderung und fehlendes Interesse an der eigenen Arbeit. Langeweile entsteht nach ihrer Beschreibung, wenn es nichts zu tun gibt, aber auch durch bestimmte Aufgaben, etwa sinnlose oder eintönige [3]. Mehrere spätere Studien nennen als weitere Dimension Schuld oder Scham über die eigene Arbeit im Vergleich zu Kollegen [3].

Die Techniker Krankenkasse unterscheidet zwei Formen. Bei der quantitativen Unterforderung gibt es schlicht zu wenig Arbeit. Bei der qualitativen ist genug zu tun, aber deine Fähigkeiten bleiben ungenutzt [2]. Beides kann zusammenkommen, etwa wenn eine Fachkraft fast nur Routine erledigt und damit nach zwei Stunden fertig ist.

Als medizinische Diagnose gibt es Boreout nicht. Es ist derzeit nicht als eigenständige Erkrankung anerkannt und steht deshalb nicht in der ICD, nach der Ärztinnen und Ärzte Krankheiten verschlüsseln [1]. In der Forschung gilt Bore-out als junges Konzept, zu dem es erst wenige Studien gibt [3].

Woran du Boreout erkennst

Die Beschwerden kommen meist schleichend. Deshalb nehmen Betroffene sie lange nicht wahr oder schenken ihnen wenig Beachtung [1]. PTAheute nennt als mögliche Folgen andauernder Unterforderung unter anderem körperliche und seelische Erschöpfung, Müdigkeit, Schlafstörungen, Gereiztheit, Lustlosigkeit, Depression, Ohrgeräusche (Tinnitus) und Magenbeschwerden [1]. Typisch ist auch, dass du nach einem ereignislosen Arbeitstag erschöpft nach Hause kommst, obwohl der Tag gar nicht stressig war [1].

Mann in den Dreißigern steht mit einer Tasse Kaffee am Fenster eines hellen Büroflurs und schaut hinaus
Bild: KI-generiert

Auffällig ist vor allem das Verhalten bei der Arbeit. Wer unterfordert ist, erledigt Aufgaben oft langsamer als nötig, damit die Zeit vergeht, kümmert sich während der Arbeitszeit zunehmend um Privates und gibt vor, viel zu tun zu haben [1]. Die TK beschreibt dieses Vortäuschen von Auslastung, etwa durch gestreckte Aufgaben oder unnötige Überstunden, als zusätzliche Belastung. Sie mindert auf Dauer auch die Leistung [2]. Im schlimmsten Fall folgen Desinteresse, innere Kündigung und noch anspruchslosere Aufgaben [2].

Ob das auf dich zutrifft, kannst du mit dem Boreout-Check sortieren. Er fragt nach typischen Situationen der letzten drei Monate und zeigt, ob eher Arbeit fehlt oder die Aufgaben nicht zu dir passen.

Woher Unterforderung kommt

Unterforderung kann jede und jeden treffen, mit oder ohne Führungsverantwortung [1]. Meist kommen mehrere Ursachen zusammen, die sich überschneiden [2]. Die folgende Übersicht stellt zusammen, was die Quellen nennen.

UrsacheWas dahinterstecktBeleg
Zu wenig ArbeitDas Arbeitspensum ist zu gering, die Zeit muss trotzdem abgesessen werden.[1, 2]
Aufgabe passt nicht zur QualifikationDie Tätigkeit entspricht nicht der Qualifikation, die Fähigkeiten bleiben ungenutzt.[2, 8]
Ungleich verteilte ArbeitEinige im Team sind überlastet, andere langweilen sich.[2]
Eintönige TätigkeitWenig Abwechslung, häufige Wiederholung gleichartiger Handgriffe.[8]
Kaum EinflussWenig Mitsprache bei Inhalten, Reihenfolge und Arbeitsweise.[8]
Fehlender SinnDie Arbeit wirkt bedeutungslos, neue Herausforderungen fehlen.[1]

Hinzu kommt ein verbreitetes Vorurteil: Langeweile im Job gilt oft als Zeichen mangelnden Einsatzes. Wer sich nur mehr anstrenge, dem werde schon nicht langweilig. Viele Betroffene zögern deshalb, ihre Unterforderung bei Vorgesetzten anzusprechen [1].

Boreout und Burnout

Burnout ist nach der Weltgesundheitsorganisation ebenfalls keine Krankheit. Die WHO führt es in der ICD-11 als Phänomen im Arbeitskontext und betont, dass es nicht als medizinische Erkrankung eingestuft ist [7]. Das Gesundheitsportal des Bundes beschreibt als typische Burnout-Beschwerden Erschöpfung, Entfremdung von der Arbeit und verringerte Leistungsfähigkeit [6].

Zu den häufigen Ursachen eines Burnouts zählt dasselbe Portal ausdrücklich dauerhafte Über- oder Unterforderung, neben Zeitdruck und Konflikten [6]. Langeweile und Überlastung schließen sich also nicht aus. In einem Team mit ungleich verteilter Arbeit kann es sogar beides nebeneinander geben [2]. Ob dich deine Arbeit eher auslaugt, prüfst du im Burnout-Test.

Was die Forschung zu Langeweile im Job zeigt

Langeweile bei der Arbeit ist verbreitet. Eine Studie zur Entwicklung eines französischen Fragebogens zitiert eine Erhebung von 2016 mit 23.236 Beschäftigten, in der sich 41,1 Prozent bei der Arbeit langweilten [3]. Dieselbe Studie nennt unter Verweis auf frühere Arbeiten mögliche Begleiterscheinungen von Bore-out: geringere Arbeitsleistung, Fehlzeiten, ein schwächeres Selbstwertgefühl sowie einen Zusammenhang mit Depression und Stress. Die Belege stammen überwiegend aus Befragungen zu einem Zeitpunkt, die Richtung des Zusammenhangs ist offen [3].

Eine niederländische Forschungsgruppe hat einen kurzen Fragebogen zu Langeweile im Job an 6.315 Beschäftigten geprüft. Langeweile ließ sich darin klar von Burnout und von Engagement trennen. Sie hing mit geringen Arbeitsanforderungen und geringen Ressourcen im Job zusammen. Wer sich langweilte, war weniger zufrieden mit der Arbeit, fühlte sich dem Betrieb weniger verbunden und dachte häufiger an Kündigung [5].

Eine Studie in 87 finnischen Betrieben mit 11.468 Beschäftigten nutzte diesen Fragebogen. Am häufigsten langweilten sich Männer, Beschäftigte unter 36 Jahren und Menschen in Transport, Produktion, Kunst, Freizeit und Unterhaltung. Langeweile ging mit schlechter eingeschätzter Gesundheit und Arbeitsfähigkeit, mit Stresssymptomen und mit Gedanken an Kündigung oder frühen Ruhestand einher. Die Autoren schließen daraus, dass Langeweile im Job der Gesundheit schaden kann [4]. Weil es sich um eine Befragung zu einem Zeitpunkt handelt, zeigt sie einen Zusammenhang. Was Ursache und was Folge ist, bleibt offen.

Was du selbst tun kannst

Im frühen Stadium hilft laut PTAheute meist, sich neue berufliche Herausforderungen zu suchen. Das muss nicht gleich ein neuer Arbeitgeber sein. Empfohlen wird zuerst ein offenes Gespräch mit der Führungskraft. Bringt das keine Veränderung, kommt ein Jobwechsel in Frage [1].

Zwei Kollegen in den Dreißigern gehen lebhaft im Gespräch durch ein helles Großraumbüro
Bild: KI-generiert

Für das Gespräch rät die TK, offen und lösungsorientiert aufzutreten und eigene Vorschläge mitzubringen, wie du deine Qualifikation stärker einbringen kannst [2]. Es hilft, vorher zu klären, welche Form der Unterforderung bei dir vorliegt. Fehlt Arbeit, kannst du um zusätzliche Aufgaben oder ein Projekt bitten. Passen die Aufgaben nicht zu deinen Fähigkeiten, geht es eher um andere Zuständigkeiten oder Weiterbildung. Die TK empfiehlt außerdem, Beschwerden wie Antriebslosigkeit, das Gefühl, wertlos zu sein, Schlafstörungen oder Konzentrationsschwäche aufzuschreiben [2]. So hast du etwas in der Hand, wenn du mit Führungskraft oder Arztpraxis sprichst.

Wie zufrieden du insgesamt mit deiner Stelle bist, also auch mit Team, Gehalt und Arbeitsbedingungen, zeigt der Jobzufriedenheit-Test. Das hilft bei der Frage, ob sich ein Gespräch lohnt oder eher ein Wechsel ansteht.

Was der Arbeitgeber tun muss

Unterforderung ist auch ein Thema für den Arbeitsschutz. Nach § 5 des Arbeitsschutzgesetzes muss jeder Arbeitgeber die Gefährdungen beurteilen, die mit der Arbeit verbunden sind. Ausdrücklich genannt sind dabei psychische Belastungen bei der Arbeit [9]. Die Empfehlungen der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) nennen Tätigkeiten, die nicht der Qualifikation der Beschäftigten entsprechen, abwechslungsarme Tätigkeiten und zu wenig Einfluss auf Inhalte und Abläufe als Bedingungen, unter denen von einer Gefährdung durch psychische Belastung auszugehen ist [8]. Als mögliche Folgen psychischer Belastung führen sie unter anderem Ermüdung, Monotonieerleben und psychische Sättigung auf [8].

Bei Organisation und Durchführung der Gefährdungsbeurteilung hat der Betriebs- oder Personalrat Mitbestimmungsrechte [8]. Wie das Verfahren abläuft und welche Rechte du hast, erklärt der Ratgeber Psychische Belastung am Arbeitsplatz. Für Betriebe empfiehlt die TK, Jobprofile regelmäßig mit den Qualifikationen abzugleichen, neue Projekte nach Stärken zu verteilen und die Aufgabenverteilung im Team im Blick zu behalten [2].

Wann du ärztliche Hilfe brauchst

Halten die Beschwerden über längere Zeit an, sollte eine Ärztin oder ein Arzt einschätzen, wie schwer sie sind [1]. Das ist auch deshalb wichtig, weil sich hinter Erschöpfung und Antriebslosigkeit andere Ursachen verbergen können, etwa eine Depression, eine Angststörung, eine körperliche Erkrankung oder ein Medikament [6]. Ist das Boreout weiter fortgeschritten, kann eine Psychotherapie nötig sein. Sie kann helfen, wieder Sinn in der eigenen Arbeit zu finden, und in der Folge können auch körperliche Beschwerden nachlassen [1].

Fehlt dir auch außerhalb der Arbeit an fast allem die Freude, mach zusätzlich den Depressions-Test auf check-dich-selbst.de. Bei lang anhaltendem Stress können die Hausarztpraxis sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten helfen, einen Weg heraus zu finden [10]. Telefonnummern für akute Krisen stehen auf der Seite Hilfe finden.

  1. Organisation Was ist eigentlich das Boreout-Syndrom?. PTAheute (Fachzeitschrift), Melissa Gößling. Stand 09.01.2024. abgerufen am 28.10.2026
  2. Organisation Boreout verstehen und verhindern: quantitative und qualitative Unterforderung. Techniker Krankenkasse (TK), Firmenkunden. Stand 29.09.2026. abgerufen am 28.10.2026
  3. Studie Creation and Validation of the First French Scale for Measuring Bore-Out in the Workplace (Front Psychol 12:697972). Poirier, Gelin, Mikolajczak. Stand 2021. abgerufen am 28.10.2026
  4. Studie Job boredom and its correlates in 87 Finnish organizations (J Occup Environ Med, PMID 25153301). Harju, Hakanen, Schaufeli. Stand 2014. abgerufen am 28.10.2026
  5. Studie Watching the paint dry at work: psychometric examination of the Dutch Boredom Scale (Anxiety Stress Coping, PMID 22998116). Reijseger, Schaufeli, Peeters, Taris, van Beek, Ouweneel. Stand 2013. abgerufen am 28.10.2026
  6. Behörde Burn-out-Syndrom: Ursachen und Behandlung. gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit, in Zusammenarbeit mit dem IQWiG. Stand 28.05.2021. abgerufen am 28.10.2026
  7. Behörde Burn-out an "occupational phenomenon": International Classification of Diseases. Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand 28.05.2019. abgerufen am 28.10.2026
  8. Behörde Berücksichtigung psychischer Belastung in der Gefährdungsbeurteilung - Empfehlungen zur Umsetzung in der betrieblichen Praxis (4. Auflage). GDA-Arbeitsprogramm Psyche, c/o Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Stand 15.06.2022. abgerufen am 28.10.2026
  9. Gesetz Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), § 5 Beurteilung der Arbeitsbedingungen. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
  10. Behörde Stress: Auswirkungen auf Körper und Psyche. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 14.01.2026. abgerufen am 28.10.2026

Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.

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