Ratgeber
Burnout-Anzeichen: Woran du merkst, dass dich die Arbeit ausbrennt
Typische Burnout-Anzeichen sind nach der WHO drei: Erschöpfung, wachsende innere Distanz oder Zynismus gegenüber dem Job und nachlassende berufliche Leistungsfähigkeit. Oft kommen körperliche Beschwerden wie Schmerzen oder Magen-Darm-Probleme dazu. Weil eine Depression oder eine körperliche Erkrankung ähnlich aussehen kann, sollten anhaltende Beschwerden ärztlich abgeklärt werden.
Burnout-Anzeichen entwickeln sich meist schleichend, und viele Betroffene halten sie lange für normalen Stress. Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt Burnout mit drei Merkmalen: Erschöpfung, innere Distanz zum Job und nachlassende Leistungsfähigkeit [1]. Dieser Ratgeber erklärt, wie sich diese Anzeichen im Alltag zeigen, welche Warnzeichen früh auftreten können, was von den bekannten Phasenmodellen zu halten ist und wann du dir Hilfe holen solltest. Ob die drei Merkmale bei dir gerade zutreffen, kannst du im Burnout-Test durchgehen.
Was Burnout ist und was nicht
Die WHO führt Burnout in ihrer Krankheitsklassifikation ICD-11 als Syndrom, das aus chronischem Stress am Arbeitsplatz entsteht, der nicht erfolgreich bewältigt wurde. Sie ordnet es im Kapitel über Faktoren ein, die den Gesundheitszustand beeinflussen, und stellt klar, dass Burnout keine Krankheit ist. Außerdem soll der Begriff nur für den beruflichen Zusammenhang verwendet werden und nicht für andere Lebensbereiche [1]. In der deutschen ICD-10-GM steht "Ausgebranntsein [Burn-out]" unter Z73 bei den Problemen mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung [9].
Der Begriff stammt aus den 1970er Jahren und beschrieb zunächst die Erschöpfung von Menschen in helfenden Berufen. Heute kann Burnout nach dem IQWiG Menschen aller Berufsgruppen betreffen [2]. Eine genaue wissenschaftliche Definition gibt es nicht [3].Erschöpfung als Reaktion auf Stress ist zunächst normal. Ein Burnout geht über dieses übliche Belastungsempfinden hinaus [2]. Ähnliche Beschwerden beschreiben IQWiG und gesund.bund.de auch bei Belastungen außerhalb des Berufs, etwa bei der Pflege von Angehörigen [2, 3].
Die drei typischen Anzeichen
| Merkmal | Wie es sich zeigen kann | Beleg |
|---|---|---|
| Erschöpfung | Müdigkeit, Niedergeschlagenheit, fehlende Energie, dazu körperliche Beschwerden wie Schmerzen oder Magen-Darm-Probleme | [1, 2, 3] |
| Innere Distanz zum Job | wachsende emotionale Distanz zur Arbeit, negative oder zynische Haltung gegenüber dem Job | [1, 2] |
| Nachlassende Leistungsfähigkeit | geringere berufliche Leistungsfähigkeit, bei außerberuflicher Belastung auch im Haushalt oder bei der Pflege | [1, 2, 3] |
Erschöpfung
Erschöpfung ist das Merkmal, das die meisten Menschen zuerst mit Burnout verbinden. Betroffene fühlen sich laut dem Gesundheitsportal des Bundes niedergeschlagen, müde und energielos [3]. Dazu können körperliche Beschwerden kommen. Das IQWiG nennt Schmerzen, gesund.bund.de nennt Magen-Darm-Probleme als Beispiel [2, 3]. Im Alltag kann das heißen, dass dich Aufgaben, die du früher nebenbei erledigt hast, viel Kraft kosten, oder dass du nach der Arbeit kaum noch zu etwas fähig bist.

Innere Distanz zur Arbeit
Das zweite Merkmal ist eine wachsende Entfremdung von der beruflichen Tätigkeit. Das IQWiG beschreibt eine innere Distanz zur Arbeit, die mit einer zynischen Haltung einhergehen kann [2]. Die WHO spricht von wachsender mentaler Distanz zum Job oder von negativen bis zynischen Gefühlen gegenüber der Arbeit [1]. Wer früher gern über sein Projekt gesprochen hat und jetzt bei jedem neuen Vorhaben innerlich abwinkt, erlebt womöglich genau das.
Nachlassende Leistungsfähigkeit
Das dritte Merkmal ist eine verringerte Leistungsfähigkeit [1, 2]. Das kann sich in mehr Fehlern zeigen, in Aufgaben, die liegen bleiben, oder in dem Gefühl, den Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein. Eine Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt fasst die vielen in der Literatur beschriebenen Symptome in sieben Gruppen zusammen. Eine davon betrifft nachlassende geistige Leistung, Motivation, Kreativität und Urteilsvermögen [4].
Frühe Warnzeichen und Phasenmodelle
Viele Ratgeber teilen Burnout in feste Phasen ein. Das bekannteste Modell stammt von dem Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger, der den Begriff 1974 in den USA als Erster verwendete. Er hat versucht, die zeitliche Entwicklung eines Burnouts in 12 Stufen zu beschreiben [4]. Am Anfang stehen darin der Zwang, sich zu beweisen, und mehr Arbeit. Es folgen das Vernachlässigen eigener Bedürfnisse, Rückzug und Zynismus, später innere Leere und am Ende eine körperliche Erschöpfung, die lebensbedrohlich werden kann [4].
Die Übersicht im Ärzteblatt stellt außerdem eine Einteilung nach Matthias Burisch vor. Als Warnzeichen der frühen Phase nennt sie einen gesteigerten Einsatz für die eigenen Ziele und Erschöpfung. Danach folgen in dieser Einteilung ein nachlassendes Engagement für die Arbeit und für andere Menschen, emotionale Reaktionen wie Niedergeschlagenheit oder Aggression und Schuldzuweisungen, nachlassende geistige Leistung, ein verflachtes Gefühls- und Sozialleben, psychosomatische Reaktionen und schließlich Verzweiflung [4].
Solche Modelle beschreiben mögliche Entwicklungen. Dass jedes Burnout nach diesem Muster abläuft, ist nicht belegt. Die Autoren der Ärzteblatt-Übersicht stellen fest, dass es keine allgemein gültige, international anerkannte Definition von Burnout gibt und die meisten Studien zu Häufigkeit und Abgrenzung nur Belege auf niedrigem Niveau liefern [4]. Weder das Gesundheitsportal des Bundes noch das IQWiG beschreiben einen festen Verlauf [2, 3].
Einen Hinweis aus den Modellen kannst du trotzdem mitnehmen: Am Anfang steht dort oft ein besonders hoher Einsatz für die Arbeit. Auch das IQWiG nennt eine extreme Einsatzbereitschaft, bei der die eigenen Bedürfnisse zu kurz kommen, als mögliche Ursache [2]. Wenn du merkst, dass du seit Monaten Pausen, Schlaf und Freizeit hinter die Arbeit stellst, ist das ein Grund, genauer hinzuschauen.
Was zu Burnout beitragen kann
Als Ursachen nennt das IQWiG lang anhaltende Über- oder Unterforderung, ständigen Zeitdruck, Konflikte mit Kolleginnen, Kollegen oder Vorgesetzten und eine extreme Einsatzbereitschaft [2]. Ein Teil davon liegt bei den Arbeitsbedingungen und damit nicht allein bei dir. Wie verbreitet die Belastung ist, zeigt ein Hinweis des IQWiG: Beruflicher Stress ist eine häufige Ursache für Krankschreibungen [2].
Arbeitgeber sind verpflichtet, die Gefährdungen zu beurteilen, die mit der Arbeit verbunden sind, und daraus Maßnahmen des Arbeitsschutzes abzuleiten. Das Arbeitsschutzgesetz zählt ausdrücklich auch psychische Belastungen bei der Arbeit zu den möglichen Gefährdungen [6]. Was das für dich bedeutet und wen du im Betrieb ansprechen kannst, erklärt der Ratgeber Psychische Belastung am Arbeitsplatz.
Wenn die Anzeichen eine andere Ursache haben
Die Beschwerden eines Burnouts ähneln denen anderer Erkrankungen. Hinter starker Erschöpfung, Niedergeschlagenheit und geringerer Leistungsfähigkeit können auch eine Depression, eine Angststörung oder ein chronisches Müdigkeitssyndrom stecken [3]. Das IQWiG nennt einen wichtigen Unterschied: Bei einer Depression beziehen sich die negativen Gedanken auf alle Lebensbereiche. Typisch sind dann auch ein geringes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, Hoffnungslosigkeit und Gedanken an Suizid [2]. Burnout-Beschwerden können außerdem das Risiko für eine Depression erhöhen [2].
Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) hat 2012 davor gewarnt, Burnout und Depression gleichzusetzen. Sie sah darin die Gefahr einer Unter- oder Fehlversorgung, weil eine Depression schwer und lebensgefährlich verlaufen kann. Burnout kann nach ihrer Einschätzung auch ein Frühsymptom oder eine Folge anderer Erkrankungen sein [5]. Ob deine Stimmung insgesamt gedrückt ist, fragt der Depressions-Test auf check-dich-selbst.de ab. Die Unterschiede im Einzelnen beschreibt der Ratgeber Burnout oder Depression?.
Was hilft, wenn du die Anzeichen bei dir bemerkst
Das IQWiG schreibt, dass die Beschwerden, die dem Burnout zugeschrieben werden, auch andere Ursachen haben können. Deshalb ist es wichtig, gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt nach anderen möglichen Ursachen zu schauen [2]. Ein guter erster Schritt kann ein Termin in deiner Hausarztpraxis sein. Vor der Einordnung als Burnout muss ausgeschlossen werden, dass eine andere Erkrankung dahintersteckt, denn voreilige Selbstdiagnosen können zu falschen Maßnahmen führen [3].

Bei Belastungen durch die Arbeit helfen oft Veränderungen im betrieblichen Umfeld und bei den Arbeitsbedingungen [2, 3]. Für Ärztinnen und Ärzte gibt es dazu eine Metaanalyse in der Fachzeitschrift Lancet mit 15 randomisierten Studien und 37 Kohortenstudien. Der Anteil mit Burnout sank nach den Maßnahmen von 54 auf 44 Prozent. Nach den Autoren können sowohl Angebote für den Einzelnen als auch Veränderungen in der Organisation den Anteil mit Burnout klinisch bedeutsam senken [8]. Eine Cochrane-Übersicht mit 58 Studien aus dem Gesundheitswesen fand Hinweise, dass kognitive Verhaltenstrainings und Entspannungsverfahren Stress stärker senken als keine Maßnahme, aber nicht stärker als andere Maßnahmen. Für geänderte Dienstpläne gibt es Hinweise auf weniger Stress, allerdings aus nur zwei Studien mit 180 Teilnehmenden. Die Qualität der Belege war meist niedrig [7]. Für ein Burnout ohne zusätzliche Erkrankung gibt es nach der DGPPN keine Therapie, deren Wirkung nach den Regeln der evidenzbasierten Medizin nachgewiesen ist [5].
Wenn du wegen der Beschwerden nicht arbeiten kannst, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt über eine Krankschreibung. Was dabei gilt, steht im Ratgeber Krankschreibung bei Burnout.
- Behörde Burn-out an "occupational phenomenon": International Classification of Diseases. Weltgesundheitsorganisation (WHO). Stand 28.05.2019. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Was ist ein Burnout?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 13.12.2023. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Burn-out-Syndrom: Ursachen und Behandlung. gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit. Stand 28.05.2021. abgerufen am 28.10.2026
- Studie Burnout: a Fashionable Diagnosis. Dtsch Arztebl Int 108(46):781 bis 787. Kaschka WP, Korczak D, Broich K. Stand 18.11.2011. abgerufen am 28.10.2026
- Organisation Fachgesellschaft will Diskussion um Burnout versachlichen (Bericht über das Positionspapier der DGPPN). Deutsches Ärzteblatt. Stand 12.03.2012. abgerufen am 28.10.2026
- Gesetz Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), § 5 Beurteilung der Arbeitsbedingungen. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
- Studie Preventing occupational stress in healthcare workers (Cochrane Review CD002892). Ruotsalainen JH, Verbeek JH, Mariné A, Serra C. Stand 2015. abgerufen am 28.10.2026
- Studie Interventions to prevent and reduce physician burnout: a systematic review and meta-analysis. Lancet 388:2272 bis 2281. West CP, Dyrbye LN, Erwin PJ, Shanafelt TD. Stand 2016. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde ICD-10-GM Version 2026, Z70 bis Z76: Personen, die das Gesundheitswesen aus sonstigen Gründen in Anspruch nehmen. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 12.09.2025. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
Passt dazu
-
Ratgeber Krankschreibung bei Burnout
Burnout-Krankschreibung: welche Diagnose auf die AU kommt, was dein Arbeitgeber erfährt, wie lange Lohn gezahlt wird und …
-
Ratgeber Burnout oder Depression? Wie sich beides unterscheidet
Burnout oder Depression? Woran sich beides unterscheidet, wo es sich überschneidet, warum Urlaub nicht immer hilft und wer …
-
Tests Resilienz-Test
Resilienz-Test als eigener Check: 12 Fragen dazu, wie du Rückschläge bewertest, Probleme angehst und Unterstützung findest.